Aktiva und Passiva

Seit ca. 1494 ist die doppelte Buchführung durch ein Buch des Franziskanerpaters Luca Pacioli in Europa bekannt. Die kaufmännische Buchführung ist die gebräuchlichste Art der Finanzbuchhaltung unserer Unternehmen.

Der Begriff „doppelte Buchführung“ erklärt sich in einer ersten Variante mit der zweifachen Erfassung ein und desselben Geschäftsvorgangs im Soll und im Haben.

Eine andere Erklärung beinhaltet eine Erwähnung der beiden Hauptbücher der Buchführung. Das Grundbuch, auch Journal genannt, hält alle Geschäftsvorfälle in chronologischer Folge fest. Das Hauptbuch beinhaltet eine sachliche Zuordnung mit Hilfe der Konten.

Eine dritte Erklärung der doppelten Buchführung ist die zweifache Art, den Unternehmenserfolg auf Grund der Aufzeichnungen nachzuweisen. Erstens durch das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung in der Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag. Zweitens zeigt sich ein Unternehmensergebnis anhand der Bilanz. Hier wird das aktuelle Eigenkapital mit dem Vorjahreswert verglichen.

In der Bilanz (italienisch „bilancia“ = deutsch „Waage“) werden die Vermögenswerte – Aktiva gleich einer Waage auf der linken Seite, den Finanzierungswerten – Passiva auf der rechten Seite gegenüber gestellt.

Die Aktivseite umfasst das gesamte Vermögen (§ 247 HGB).

  1. Anlagevermögen – Hierzu zählt alles, welches dauerhaft im Geschäftsbetrieb verbleibt und dem Produktionsprozess dient. (Grundstücke, Produktionsgebäude, Maschinen, Einrichtung, Büroausstattung …).
  2. Umlaufvermögen – Dazu zählt folgerichtig, was nicht dauerhaft im Geschäftsbetrieb verbleibt (Material, Waren und Zubehör für die Weiterverarbeitung oder zum Verkauf, Kontoguthaben, Bargeld, …).

Die Passivseite umfasst das gesamte Kapital (§ 247 HGB).

  1. Eigenkapital – Unter Eigenkapital versteht man alle Kapitalwerte, die dem Inhaber oder den Gesellschaftern eines Unternehmens gehören (gezeichnetes Kapital, Stammeinlage, ebenso wie Kapital- und Gewinnrücklagen, …).
  2. Fremdkapital – Das Fremdkapital ist zur Verfügung gestelltes Kapital aus anderer Hand (Darlehen, Bank- und Lieferantenkredite,…). In diese Gruppe gehören Rückstellungen für später fällige Aufwendungen (Betriebsrente, Steuerzahlungen oder Rückstellungen für drohende Verluste…), sowie alle Verbindlichkeiten gegenüber Gläubigern.

Fächert man die einzelnen Bereiche einer Bilanz weiter auf, erhält man schließlich den offiziellen Bilanzaufbau, der sich im § 266 des Handelsgesetzbuchs finden lässt. Dort sind alle Bilanzposten aufgelistet und bereits in die richtige Reihenfolge gebracht.
Die Reihenfolge ergibt sich aus den Eigenschaften eines Bilanzpostens. Grundsätzlich gilt: Je länger etwas in der Bilanz bleibt, desto weiter oben wird es positioniert. Das gilt für Aktiva und Passiva.
Deshalb stehen Grundstücke und Maschinen vor dem Bankguthaben oder dem Bargeld. Auf der Passivseite finden sich langfristige Verbindlichkeiten vor kurzfristigen Krediten.

Eine Bilanz muss in jedem Fall ausgeglichen sein. Das bedeutet, das die Summe der Bilanzposten auf beiden Seiten übereinstimmen muss. Jeder Vermögensgegenstand auf der Aktivseite hat einen dazugehörigen Gegenwert auf der Passivseite.

Beispiel: Ein Unternehmen besitzt eine Fertigungsstrecke. Sie zählt auf der Aktivseite zu den Sachanlagen und erhöht das Anlagevermögen. Wenn die Fertigungsstrecke aus eigenen Mitteln finanziert wird, dann verringert sich genau um diese Summe das Eigenkapital auf der Passivseite. Wird der Kauf fremdfinanziert, findet sich die Summe z.B. in den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten wieder.

Die doppelten Buchführung verlangt in jeder Buchung zwei Konten, Soll und Haben. Zu einem Stichtag werden alle Buchungen in einer Bilanz in Bilanzgruppen zusammengefasst dargestellt. Die Bilanz ist eine Gegenüberstellung des Vermögens und der Schulden eines Unternehmens. Neben der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ist die Bilanz Hauptbestandteil eines Jahresabschlusses.

Aufwendungen und Erträge gehören nicht in die Bilanz, sondern werden in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) verbucht. Hier liegen zwei verschiedene Abrechnungen vor. Die Bilanz stellt das Vermögen des Unternehmens dar, während die GuV alle Erträge und Aufwendungen des laufenden Geschäftsbetriebes erfasst. Erst am Ende eines Geschäftsjahres wird das Betriebsergebnis aus der GuV in der Bilanz, Rubrik Gewinn- /Verlustvortrag auf der Passivseite verrechnet.

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